• Sierra del Carmen

    Big Bend

    National Park Texas

Deutsche Übersetzung Der Nationalpark Big Bend

Laut einer Indianerlegende nahm der Große Geist, nachdem er die Welt erschaffen hatte, alle übriggebliebenen Felsbrocken und warf sie auf den Big Bend. Spanische Entdecker, die die Gegend weniger gut kannten, tauften sie schlicht “das unbewohnte Land.” Wer diese Landschaft mit ihren Wüsten, Gebirgen und dem mächtigen Fluß, dem Rio Grande, erforscht, wird ihre Geheimnisse zu würdigen lernen. Hier findet man, ob Sie es glauben oder nicht, eine Wüstenamphibie, die Couch’sche Spatenfusskröte, den Moskitofisch, den es ausser in einem einzigen Teich in diesem Park auf der ganzen Welt nicht gibt, ein kleines Säugetier, die Känguruhratte, die in ihrem eigenen Körper die Kohlehydrate in ihrer Nahrung in Wasser umwandelt und einen ziemlich grossen Vogel, den Erdkuckuck, der lieber läuft als fliegt. Es gibt Insekten hier, die ihr ganzes Leben in, auf und von einer einzigen Pflanzenart leben, und dann gibt es auch Kojoten, die wer weiß wie weit herumkommen und fast alles fressen. Die Eselhasen hier haben so lange Ohren, daß sie sie dazu benützen können, Körperwärme an die Umwelt abzugeben. Es gibt Tiere hier, die sich fast unmerklich Langsam bewegen und andere, die ungeheurer Geschwindigkeit fähig sind, wie z.B. der Wanderfalke, der sich mit 320 km/h in die Tiefe stürzen kann. Sie können die Zeit messen oder sie achtlos verstreichen lassen, ganz wie Sie wollen. Wenn Sie ganze Zeitalter überschauen wollen, können Sie in die Fossilienausstellung gehen oder die Felsformationen der drei Schluchten im Big Bend Naturpark, Santa Elena, Mariscal und Boquillas, betrachten, wo diese Zeugen der Urzeit zwar weniger augenfällig, aber nichtsdestoweniger vorhanden sind. Oder wenn Sie einen flüchtigen Augenblick geniessen wollen, beobachten Sie einen Eselhasen dabei, wie er sich vor einem Verfolger in Sicherheit bringt. Wenn Sie über etwas Geduld verfügen, können Sie beobachten, wie lange es braucht, bis sich sie “leblose” Wüste nach dem ersten anständigen Frühlingsregen in einen bunten Blumenteppich verwandelt. Genau genommen ist der Big Bend Naturpark eigentlich eine Sache der Seelenverfassung. Manchmal muß man abwarten, bis man davon gefesselt wird.

Um diesen Park zu verstehen und richtig geniessen zu können, ist es gut, wenn man den Fluß, die Wüste und die Berge unabhängig voneinander auf sich wirken lässt. Der Fluß und die Berge dienen als Kontrapunkt zur Wüste. Der Fluß sieht wie eine langgezogene Oase aus, und die Berge wirken im Verhältnis zur trockenen Wüstenumgebung wie Inseln der gemässigten Zone.

Der Fluß

Der Name Big Bend (Grosse Schleife) bezieht sich auf die grosse Schleife des Rio Grande hier in Südwest Texas. Der Fluß sieht hier wie eine lange, bogenförmige Oase aus, ein grünes Band, das und der tag sich durch die Wüste zieht und sich buchstäblich durch die Bergkette frisst. Wie alle Flüsse, die eine Wüste durchqueren ohne zu versickern, hat der Rio Grande seinen Oberlauf ausserhalb der Wüste. Heutzutage kommt aber der grösste Teil des Wassers, das durch den Park fliesst, eigentlich vom Rio Conchos, der etwas oberhalb in den Rio Grande fliesst, und nicht vom Rio Grande selbst. Der Urfluss, der die tiefen Schluchten ins Parkgelände grub, war wahrscheinlich der Rio Conchos. Heute stellt der Rio Grande auf 172 km die Südgrenze des Parkgebiets dar. Der Knochenhecht und einige Schildkrötenarten, die hier im Fluß leben, sind lebende Fossilien, die an den Urzeitcharakter der Gegend als fruchtbare Savanne und Sumpfland vor 50 Millionen Jahren erinnern. Ihre Vorfahren schwammen damals zusammen mit Krokodilen und flusspferdartigen Geschöpfen herum.

Falls Sie sich fragen, ob denn der Fluß Wirklich imstande gewesn sein kann, derartige Schluchten zu graben, dann fahren Sie nur einmal in einem Aluminiumkanu den Rio Grande hinunter. Sie Können es richtig zischen hören, wenn tausende von scharfen Partikelchen von der Aussenwand des Kanus abprallen. Der Fluß ist wie ein gnadenloser Schleifgürtel, der schon seit Millionen von Jahren in Betrieb ist. Am unerwartetsten sind hier in dieser Wüstengegend vielleicht die Nagestellen von Bibern an den Pappeln und Weiden am Fluß entlang. Aber machen Sie sich nicht die Mühe, nach Biberburgen Ausschau zu halten, denn die Biber im Big Bend Park leben in Höhlen, die sie ins Flußufer gegraben haben. Der Fluß ist eine Oase für Tierarten, die nicht im trockenen Wüstenklima leben können, und sorgt so für eine grössere biologische Vielfalt des Naturparks.

Das Überschwemmungsgebiet des Flußes bietet gute Gelegenheiten zur Beobachtung der Vogelwelt. Manche Vogelfreunde behaupten, daß die Vögel hier farbenfreudiger sind als anderswo. Sie finden hier einen meisenartigen Vogel (Piranga rubra), eine Ammernart (Passerina ciris), den Scharlachfliegenschnäpper (Pyrocephalus rubinus) und den Kardinal (Cardinalis cadinalis), bunte Akzente auf dem grünen Hintergrund der Flußebene. Aus der Ferne gesehen erscheint dieses grünende Flußtal als grüner Streifen, der sich durch die Wüste schlängelt. Dieses Phänomen können Sie auch anderswo im Park entlang den Arroyos, kleineren, meist trockenen Flußbetten, beobachten. Zweifellos finden Sie auch dort viele Vögel und andere Tiere, die sich der etwas weniger trockenen Vegetation erfreuen. Auf den Kies-und Sandbänken im Fluß und am Steilufer gibt es auch noch andere Geschöpfe, die Sie wohl in der Wüste von Chihuahua nicht erwartet hätten. Der Flußuferläufer und der Regenpfeifer hüpfen und laufen auf den Sandbänken herum, und die Felsenschwalbe fliegt zu ihrem aus Flußchlamm gebauten Nest.

Das Gebiet des Big Bend wird erst seit etwa 130 Jahren eingehend erforscht. Aber schon im 16. und 17. Jahrhundert haben spanische Entdecker den Rio Grande auf der Suche nach Gold, Silber und fruchtbarem Land überquert. Soweit wir wissen, haben sie nicht versucht, in Booten flussabwärts zu fahren. Im 19. Jahrhundert überquerten auch die Comanche-Indianer den Fluß in beiden Richtungen auf ihren Streifzügen. Erst 1852, als ein Major des U.S.-Heeres, William H. Emory, eine Grenzvermessung vornahm, wurde auch der Fluß selbst erforscht. Emory und seine Leute untersuchten alle drei Canyons, befuhren aber nur die Mariscal-Schlucht. Im Jahre 1881 befuhr ein Vermessungstrupp unter Leitung eines Texas Rangers (berittene Staatspolizeitruppe) die Santa-Elena-Schlucht. Der Ranger begleitete die Expedition zu Pferde am Rand der Schlucht entlang. Im Jahr 1889 befuhr eine Expedition des U.S. Geological Survey den Fluß von Presidio bis Langtry. Das war die erste Gruppe, die durch die Boquillas-Schlucht fuhr. Auf beiden Seiten der Flußebene hatten sich um das Jahr 1900 mexikanische Siedler niedergelassen, und nach dem Ende der Grenzstreitig-keiten im Jahre 1920 kamen auch anglo-amerikanische Bauern in tag Gebiet. Selbst nachdem die Gegend 1944 zum Naturschutzpark erklärt worden war, wurden um Castolon und das heutige Rio Grande Village herum noch Baumwolle und Nahrungsmittel angebaut.

Die Wüste

Nordamerika hat vier warme Wüsten: Das Grosse Becken, die Mojave-Wüste, die Sonora Wüste und die Chihuahua-Wüste, die sich bis tief nach Mexiko hinein erstreckt. Der Big Bend Nationalpark ist zu 97 Prozent ein Teil der Chihuahua-Wüste. Diese Wüste ist auf drei Seiten von Bergen umgeben, die den Regen abhalten, und die vierte Seite geht in ein riesiges Steppengebiet über. Die Chihuahua-Wüste ist jung, vielleicht weniger als 8000 Jahre alt. Sie ist ausserdem eine grüne, ja sogar üppige Wüste, die ihre Regenfälle fast ausschliesslich in den Sommermonaten erhält, wenn sie am dringendsten gebraucht werden. Der Hauptindikator der Pflanzenwelt in der ChihuahuaWüste ist die “Lechuguilla,” die wie eine Handvoll Dolche aus dem Wüstenboden spriesst. Ihre groben, starken Fasern werden zum Flechten von Matten, Seilen, Taschen und anderen Haushaltsgütern benutzt, die so auch eine Art Produkt der Chihuahua-Wüste sind. Die Lechuguilla ist ein deutlicher Beweis dafür, daß die Wüste nicht wie oft angenommen wird, tot, sondern durchaus lebendig ist. Das Leben hier hat sich nur darauf eingestellt, so wenig Energie wie möglich zu verausgaben und mit allen Mitteln Wasser anzusammeln, wie wir am Beispiel der Känguruhratte sehen können.

Hitze und Frühlingwinde tragen auch zur Trockenheit bei. Im Sommer kann der Boden während der Mittagszeit 82 Grad Celsius erreichen, und im Winter bei Nordwind kann es eiskalt werden. Aber das Schöne an der Gegend ist, daß die Temperatur hier oft 27 Grad Celsius beträgt, wenn die Rocky Mountains im Schnee ersticken.

Prähistorische Indianer haben hier vor mindestens 10 000 Jahren gelebt, vielleicht sogar noch früher, aber wenig greifbare Spuren menschlicher Besiedlung sind zurückgeblieben, bis auf die Archäische oder Wüstenkultur aus dem Jahre 6 000 V. Ch. Dies war keine Bauernkultur, sondern eine Jäger- und Sammlerkultur, und sie Menschen nahmen nur, was das Land von sich aus bot.

Es gab mehr als 200 pflanzliche und tierische Nahrungsmittel, die nur eingebracht werden mußten, aber wegen der Weite der Wüste erforderte das einen nomadischen Lebensstil. Die Nahrung dieser Menschen bestand aus Walnüssen, Dattelpflaumen, Yuccablüten-und früchten, Kaktusfeigen und Mesquitebohnen. Sie woben Körbe und Sandalen aus Lechuguillafasern und Yuccablätern. Zur Jagd benutzten sie den Atlatl, einen Wurfstock, mit dem sie steinernde Wurfpfeile schleudern konnten, um Rehe, Hasen und anderes Wild zu töten. Man Weiß, daß einige der Quellen in der Wüste des Big Bend Parks schon seit Jahrtausenden fliessen, weil die Wohnstätten der Archäischen Kultur gewöhnlich im Umkreis einer der heutigen Quellen zu finden sind. Diese Stätten haben auch oft Felsenhöhlen und Herdstellen oder Feuerkreise. Um das Jahr 800 A.D. entwickelte sich eine andere Kultur, die mehr auf Jagd als Sammeln ausgerichtet war. Etwa um 1200 dominierte die La Junta Kultur der Pueblo Indianer, die Landwirtschaft betrieben. Im 16. Jahrhundert wurden die Indianer von den Spaniern versklavt, und ihre Kultur wesentlich verändert.

Die Apachen wurden irgendwann im 18. Jahrhundert von den Comanchen nach Süden in dieses Gebiet verdrängt. Die Apachen widerstanden den Spaniern erfolgreich, so daß diese im 18. Jahrhundert begannen, das Gebiet aufzugeben. Im 19. Jahrhundert wurden auch die Comanchen von anglo-amerikanischem Druck von Norden her in das Big Bend-Gebiet gedrängt. Sie ergänzten, was die Wüste ihnen bot, durch alljährliche Überfälle auf mexikanische und später anglo-amerikanische Siedlungen und Wagenzüge. Die Goldfunde in Kalifornien in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts beschleunigten den Niedergang der Comanchen. Militärfestungen wurden entlang der Route gebaut, die durch die Wüste zu den Goldfeldern von Kalifornien führte.

Es ist nicht verwunderlich, daß sich die Tiere in der Chihuahua-Wüste so erstaunlich gut an das Wüstenleben angepasst haben, denn das Leben besteht ja aus Anpassung an die jeweiligen Verhältnisse. Und doch gibt es dabei höchst interessante Varianten. Es gibt “Feengarnelen,” schnell wachsende Kröten und die schon erwähnten Eselhasen. Es gibt auch einfachere Möglichkeiten der Anpassung. So warten viele Tiere einfach erst die Nacht ab, ehe sie aus ihren Höhlen kommen, und entgehen so der Hitze des Tages. Die meisten Schlagen tun dies, denn die Sommertemperaturen des Wüstenbodens würden sie sonst innerhalb weniger Minuten umbringen. Eine andere einfache Art, der Hitze zu entgehen, besteht darin, sich in höhere Regionen zurückzuziehen. Viele Besucher durchqueren im Sommer die Wüste, so schnell sie können, in Richtung der höher gelegenen und deshalb kühleren Chisos-Berge. Bei diesen Besuchern handelt es sich zwar um Menschen, aber einige Insektenarten handeln nach dem gleichen Prinzip. Sie fliegen einfach eine kleine Strecke nach oben, wo es bedeutend kühler ist. Es gibt auch einen Käfer, der sich beim Herumlaufen immer wieder wie auf Stelzen emporhebt. Auch er ist dadurch in der Lage, immer wieder gerate den für ihn notwendigen Abstand vom glühenden Wüstenboden zu schaffen.

Die Berge

So, wie der Rio Grande sich wie ein Oasenband durch die Wüste des Big Bend Parks schlängelt, so wirken die Chisos-Berge wie eine grüne Insel im Wüstenmeer. Ebenso wie der Fluß beherbergen die Berge auch Geschöpfe, die man in einem Wüstengebiet nicht erwarten würde, einschliesslich einiger sehr seltener Tierarten. Der Grund dafür ist die Abgeschiedenheit des Gebiets. Diese Lage enstand vor tausenden von Jahren am Ende der großen Eiszeit, als sich das kühlere, feuchtere Klima nach Norden zurückzog. Damals wurden viele Pflanzen- und Tierarten in den Chisos-Bergen durch die ständig wachsende Trockenheit in den umliegenden Niederungen von der Aussenwelt abgeschnitten.

Ein deutliches Beispiel hierfür ist die Weisswedelhirsche der Sierra del Carmen. Diese Tiere leben in den Vereinigten Staaten nur in den Chisos-Berge und anderen in deren Nähe gelegenen Bergketten. Es gibt sie sonst nirgends auf der Welt, ausser auf dem anderen Ufer des Rio Grande, in der Sierra del Carmen, wo sie ebenso isoliert leben, und vielleicht in noch ein paar abgeschiedenen Gebieten in Mexiko. Weisswedelhirsche können sich nicht an Wüstenverhältnisse anpassen. Sie waren wahrschleinlich während der Eiszeit, als das Klima in dieser Gegend kühler war, viel weiter in der Region verbreitet. Als sich das Klima erwärmte, war es kühler in den Chisos-Bergen und der Sierra del Carmen, weil sie höher gelegen waren. Heute kann man das Geschick dieser kleineren Weisswedelhirschart daran ablesen, daß sich die Grossohrhirsche der Wüste immer weiter in das Vorgebirge vorschieben. Die Grossohrhirsche, die sich an die Wüstenverhältnisse angepaßt haben, scheinen die Weisswedelhirsche aus einem Teil ihres Gebiets zu verdrängen.

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge im “Basin” (einer bei Mensch und Tier beliebten Stelle in den Chisos-Bergen) ist doppelt so groß wie im Rio Grande Village am Fluß. Wenn Sie sich den Bergen durch Green Gulch (die Grüne Schlucht) nähern, kommen Sie durch Grasland, aus dem hier und da Agaven und Sotolpflanzen aufragen. Aber bald sehen Sie auch grüne, belaubte Büsche. Dann werden die Büsche immer höher, und es gibt immergrünen Sumac, Bergmahagoni, Texas Madrone und den gemeinen Bienenbusch. Es gibt sowohl Laub- als auch Nadelbüsche. In etwa 1400 m Höhe trifft man die ersten Bäume an. Höher oben in den Mulden gibt es massenhaft Bäume - Wacholder, kleine Eichen und Pinien. Manche Baumarten erreichen ihre südlichste Grenze hier in den Chisos-Bergen, wie zum Beispiel die amerikanische Goldkiefer, die Douglastanne, die Arizonazypresse, die Zitterpappel und der grosszahnige Ahorn. Dies sind die letzten Reste der grossen Wälder, die sich während der Eiszeit hier ausdehnten.

Einige der Pflanzenarten, die man hier findet, gibt es sonst nirgends auf der Welt. Die Chisos Eiche wächst nur im Blue Creek Canyon. Auch die Chisos-Agave wächst nur auf diesen Bergen. Eine Anzahl anderer Pflanzenarten, wie der Trauerwacholder, der viel Wasser braucht, wächst in den Vereinigten Staaten nur in den Chisos-Bergen, und ausserdem auch in Mexiko and anderen Orten.

Wenn Sie alle Vögel sehen wollten, die es in den Vereinigten Staaten gibt, müßten Sie auch früher oder später die Chisos-Berge besuchen, um den Colima-Waldsänger zu sehen, der hier nistet, nachdem er in Mexiko überwintert hat. Hier gibt es ausserdem auch den Berglöwen. Dieser Grosskatze, im Volksmund hier Panther genannt, verdankt der Löwenanteil der Orte hier im Park seinen Namen, wie z.B. Panther Pass und Panther Junction.

Aktivitäten

Big Bend bietet herrliche Wander- und Reitwege, Bootsfahrten auf dem Fluß, Gelegenheit zur Beobachtung von Vögeln und Blumen (siehe erste Seite) und zum Fischen im Fluß (Wels). Bitte lesen Sie die folgenden Abschnitte über die Sicherheitsbestimmungen ehe Sie Ihren Urlaub beginnen. Wandern: Sie können sowohl kurze Spaziergänge auf den vorgezeichneten Wanderpfaden unternehmen oder auch längere Wanderungen quer durch den Park. Wenn Sie sich nicht an die Pfade halten wollen, müßen Sie angemessene Ausrüstung und ausreichende Verpflegung mitnehmen. Sie sollten eine topografische Karte benützen und Ihre Route genau ausarbeiten. Wanderführer werden bei der Parkverwaltung verkauft. Flußfahrten: Der Rio Grande ist ein wilder, reissender Fluß, der 307,8 km an der Grenze des Parks entlang durch eine sehr schöne Landschaft fließt. Wenn Sie den Fluß hinunter fahren wollen, brauchen Sie eine kostenlose Genehmigung, die Sie bei der Parkverwaltung und bei den Ranger-Stationen einholen können. Bei der Parkverwaltung können Sie auch einen Flußführer kaufen. Ausrüstung für Flußfahrten kann im Parkgebiet nicht gemietet werden, aber Sie können per Brief oder Telefon bei der Parkverwaltung eine Liste von Flußausrüstungsfirmen anfordern. Es ist sehr wichtig, daß Sie die richtige Ausrüstung für eine Flußfahrt haben. Örtliche Gewitter können von Juli bis Oktober Hochwasser verursachen. Für Vogelbeobachter: Die mehr als 400 Vogelarten, die im Park beobachtet worden sind, Machen diese Gegend zu einem Paradies für Vogelbeobachter. Die größten Vogelzüge durch den Park finden im Fruhjahr statt. Sie können einen Ranger nach den besten Beobachtungsplätzen fragen.

Parkregeln und Sicherheitsbestimmungen

Gefahren beim Klettern: Die Felswände im Park sind sehr bröckelig. Vom Klettern wird daher abgeraten. Autofahren bei Nacht: Achten Sie bei Nacht besonders auf Wild. Tiere, die von Ihren Scheinwerfern geblendet werden, können auf der Strasse stehenbleiben. Stacheln und Dornen: Kaktusstacheln und Dornen von anderen Pflanzen können eine ernsthafte Gefahr darstellen. Tragen Sie feste Schuhe und Kleidung, wenn Sie von den Pfaden abweichen. Bringen Sie eine Pinzette mit, um Stacheln, die zu Klein sind, um sie mit der Hand herausziehen zu können, zu entfernen. Manche Kakteen haben sehr schmerzhafte Stacheln, die man mit dem blossen Auge kaum sehen kann. Giftige Reptilien und Insekten: Es gibt Mokassinschlangen und vier Arten von Klapperschlangen im Park. Man trifft sie selten bei Tage an. Sie stehen unter Naturschutz, deshalb dürfen Sie ihnen nichts tun. Wenn Sie nachts unterweges sind, bleiben Sie auf den Pfaden und tragen Sie eine Taschenlampe. Schlangen, Skorpione, Taranteln und andere Tiere im Park werden Ihnen nichts tun, so lange Sie sie in Ruhe lassen. Falls Ihnen irgendetwas zustösst, lassen Sie sich bitte sofort untersuchen. Schwimmen und Waten: Der Rio Grande ist gefährlich wegen seiner starken Strömungen, verstecken Hindernisse und des plötzlich abfallenden Flußbodens. Beim Waten ertrinken im Rio Grande mehr Leute als beim Bootfahren. Wenn Sie irgendwelche Fragen haben in bezug auf das, was man im Park unternehmen kann, wenden Sie sich bitte an einen Parkranger. Melden Sie bitte auch alle Unfälle, Zwischenfälle oder Verletzungen, die sich im Parkgebiet ereignen, bei der Parkverwaltung oder einem Ranger.

Autofahren: Bitte beachten Sie die Geschwindigkeitsbegrenzung. Wenn Furten bei schlechtem Wetter überschwemmt sind, warten Sie bitte ab, bis tag Wasser gesunken ist. Es ist besser, ein paar Minuten zu warten als im Fahrzeug den Fluß hinuntergerissen zu werden. Fahrzeuge dürfen die Strassen nicht verlassen. Strassen im Hinterland sind manchmal wegen Sturmschäden gesperrt. Informieren Sie sich immer über den Straßenzustand, wenn Sie ungepflasterte Straßen benützen wollen. Wanderwege: Bleiben Sie bitte auf den ausgetretenen Wanderwegen, um Erosion und Erdrutsche zu vermeiden. Rauchen ist auf den Wanderpfaden nicht gestattet. Bitte nehmen Sie alle ihre Abfälle wieder mit. Camping und Lagerfeuer: Zelten ist auf Campingplätzen und an bestimmten Stellen im Hinterland erlaubt. Lagerfeuer sind verboten. Wandern und Zelten im Hinterland: Wenn Sie über Nacht im Hinterland bleiben wollen, brauchen Sie eine Genehmigung. Lagerfeuer sind verboten. Die Gefahr eines Waldbrandes ist in den Chisos Bergen sehr groß. Haustiere sind auf den Wanderwegen und im Hinterland nicht erlaubt. Abgesehen von den verschiedenen Wanderwegen in den Bergen gibt es auch viele schöne Wanderwege in den Wüstenniederungen. Bitten Sie einen Ranger um Auskunft. Beim Zelten, achten Sie auf Hochwasser oder tief gelegene Stellen. Schlagen Sie Ihr Lager nicht in Arroyos (trockenen Flußbetten) und Mulden, die oft überschwemmt werden können auf, denn sie könnten sich während Sie schlafen in reissende Flüße verwandeln. Fischen: Im Park darf ohne Angelschein geangelt werden. Bitten Sie die Rangers um Auskunft. Feuerwaffen und Haustiere: Der Gebrauch und das offene Tragen von Feuerwaffen sind verboten. Haustiere müßen ständig an der Leine geführt werden und sind auf den Wanderwegen, im Hinterland und in öffentlichen Gebäuden nicht zugelassen.

Erstaunliche Formen der Anpassung

Die landläufige Vorstellung, die wir von Wüstenpflanzen haben, ist der Kaktus - eine Pflanze, die es besonders gut versteht, Wasser aufzunehmen, und es dann aufs geizigste zu horten. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, sich mit dem Wüstenklima auseinanderzusetzen. Eine davon ist, einfach abzuwarten. Im Gegensatz zu ihren Verwandten in gemässigten Klimaten warten viele einjährige Wüstenpflanzen einfach den Regen in der Samenphase ab. Wenn es in einem Jahr nicht regnen sollte, keimt der Samen eben nicht. Der Mechanismus, der das möglich macht, ist eine keimhemmende Substanz. Wenn nicht genügend Regen fällt, um diese Substanz wegzuwaschen, ignoriert der Samen die Feuchtigkeit. Das garantiert der Pflanze genügend Wasser, ihren Lebenszyklus zu vollenden und vor der nächsten Trockenperiode ihre Samen zu entwickeln. Diese chemisch geduldige Pflanze muß manchmal länger als ein Jahr warten, ehe sie zum Keimen kommt, aber wenn sie es dann tut, dann entwickelt sie auch ihre Blüten und Früchte Viel schneller als das bei einer einjährigen Pflanze in gemässigtem Klima der Fall wäre. Die Kreosotbüsche verlassen sich auf eine andere Strategie. Diese in bestimmten Abständen wachsenden Büsche sehen aus ala ob sie von Menschenhand gepflanzt worden seien, weil ihre Wurzeln eine toxische Substanz produzieren, die andere Pflanzen daran hindert, in ihrem Lebensbereich zu wachsen. Die Kleinen Blätter des Kreosotbüsches sind mit einer Harzschicht überzogen, so daß sie wenig Feuchtigkeit und die Luft verlieren. Diese Kombinierte Strategie macht den Kreosotbusch zum am weitesten verbreiteten Busch im Park und lässt ihn auch in allen anderen nordamerikanischen Wüsten gedeihen. Kreosotbüsche, die am Strassenrand wachsen, können doppelt so hoch wachsen wie die, die nur eine Reihe weiter weg stehen, weil sie das Wasser, das vom Strassenpflaster rinnt, bekommen. Kakteen sind ein klassisches Beispiel der Wasserkonservierung. Statt der Blätter, die Feuchtigkeit abgeben, haben sie Stacheln, welche die Pflanzen auch davor bewahren, zertrampelt oder gefressen zu werden. (Wenn man nur aus einem Stamm oder Stengel besteht, kann man es sich nicht leisten, daß an einem geknabbert wird!) Der dicke, fleischige Stengel bietet eine verringerte Oberfläche und hat eine wachsige Schutzschicht, die Schwitzen und Verdunstung verhindert. Das flache Wurzelwerk erstreckt sich weit im Umkreis, um das Regenwasser abzufangen, sobald es in die Erde dringt. Kakteen bewahren Wasser und funktionieren so als ihr eigenes Reservoir, das ihnen erlaubt, lange Durststrecken zu überleben. Der Ocotillo ist kein Kaktus, sondern stellt eine eigene Pflanzenfamilie dar. Wenn es regnet, sprossen beim Ocotillo Blätter, die er aber dann wieder abwirft, wenn die Trockenheit einsetzt. Das kann mehrmals im Jahr stattfinden. Das aus der Candelilla Pflanze gewonnene Wachs wird zur Kerzen-, Wachs-, Gummi- und Schallplattenproduktion verwendet. In der Regenzeit füllt sich der Stengel mit einem dicken Saft, der in der Trockenzeit den Stengel wie eine Wachsschicht bedeckt und die Verdunstung verhindert. Das Wachs schliesst die Feuchtigkeit in der Pflanze ein und schützt sie so vor dem Vertrocknen. Die Wüstenflora blüht am üppigsten im Frühling, der in der Niederung im Februar eintritt und von dort langsam in die Höhe steigt, um im Mai endlich auf den Berghöhen anzugelangen. Wenn Sie dieses Blütemeer nur einmal gesehen haben, werden Sie für immer eine ganz andere Vorstellung von der Wüste haben.

Tips zum Besuch des Parks

Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel, die zu dem oder durch den Park führen. Mit der Eisenbahn oder dem Autobus können Sie nach Alpine kommen. Es gibt Fluglinien, die Midland- Odessa und El Paso anfliegen. Die Entfernungen hier sind sehr groß, deshalb sollten Sie Ihre Ankunft und Abreise entsprechend plannen. Die allgemeine Karte rechts zeigt die Autostraßen, die zum Park führen. Wasser und Benzin gibt es nur an einigen wenigen Tankstellen im und um den Park herum. Prüfen Sie Ihren Benzintank und Ihr Wasser ehe Sie Alpine oder Marathon verlassen.

Achtung: Es ist immer anzuraten, in der Wüste Trinkwasser mit sich zu führen. Wanderer brauchen 4 Liter pro Tag pro Person. Kehren Sie um, ehe Ihr Wasser ausgeht. Quellwasser muss vor dem Trinken sterilisiert werden; tag Flußwasser ist ungeniessbar.

Das Hauptbüro der Parkerwaltung ist in Panther Junction. Dort können Sie sich nach Programmen und Veranstaltungen erkundigen. Unter den dort zu kaufenden Veröffentlichungen sind z.B. das offizielle Big Bend National Park Handbuch, ein Wanderführer, ein Strassenführer und topografische Karten. Im Handbuch und im Strassenführer sind fünf mögliche Autotouren durch den Park beschrieben.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in der Chisos Mountains Lodge im Basin (Becken). Campingplätze gibt es im Basin, Rio Grande Village und Castolon. Für Wohnwagen gibt es Wasser- und Stromanschluss im Rio Grande Village. Im Frühling und Herbst können alle Übernachtungsmöglichkeiten und Campingplätze voll belegt sein. Erkundigen Sie sich daher telefonisch, ehe Sie die Fahrt zum Park antreten, unter der Nummer (432) 477-2251. Für Reservierungen und Informationen über Unterkunftsmöglichkeiten können Sie (432) 477-2291 anrufen oder sich schriftlich an Forever Resorts, Inc., Big Bend National Park, Texas 79834 wenden. An manchen der ungepflasterten Strassen gibt es kleinere Campingplätze, für die allerdings auch eine Genehmigung gebraucht wird. Viele davon erfordern Fahrzeuge mit erheblicher Bodenfreiheit oder Vierradantrieb.

Lebensmittel, kalte Getränke, Campingvorräte und Filme können Sie an den folgenden Orten kaufen: Basin, Rio Grande Village, Castolon und Panther Junction. In der Chisos Mountains Lodge gibt es ein Souvenirgeschäft. Kleinere Autoreparaturen können in Panther Junction erledigt werden.

Ärztliche Hilfe gibt es im Park nicht. Das nächste Krankenhaus ist in Alpine, 174 km vom Hauptquartier der Parkverwaltung entfernt. Im 42 km entfernten Terlingua ist ein Sanitätsposten. Anfragen über den Park und seine Verwaltung, Dienstleistungen, Programme und Erholungsmöglichkeiten richten Sie bitte an: Superintendent, Big Bend National Park, Texas 79834, oder telefonieren Sie unter der Nummer (432) 477-2251.

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